Was ist ein Design Sprint?

Die Methodik „Design Sprint“ von Google Ventures hilft dir in fünf Tagen durch Designen, das Bauen von Prototypen und Testen mit Usern Probleme zu lösen.

Zu Beginn definiert ihr im Team ein klares Ziel. Im Team von sieben Personen arbeitet ihr dann eine Woche gemeinsam an der Lösung. Nach nur einer Woche ist die Hypothese entwickelt und getestet – bei vergleichsweise kleinem Investment und möglichst realitätsnaher Testumgebung. Die Methodik liefert euch schnelle Ergebnisse und Einblicke in die Marktfähigkeit. Falls der Prototyp beim User nicht gut ankommt, habt ihr euch Monate teurer und mühsamer Entwicklungsarbeit gespart! Klingt gut, oder?

Wer sollte am Design Sprint teilnehmen?

Am besten seid ihr alle schon vorher im Projekt involviert. Falls euer Projekt gerade startet, wählt die Personen, die zukünftig im Projekt mitarbeiten werden. Holt euch möglichst verschiedene Skills in euer Design-Sprint-Team. Ein Teammitglied bekommt die Aufgabe zu entscheiden. Das beschleunigt den Prozess und vermeidet zeit- und kraftraubende Diskussionen. Häufig übernehmen diese Aufgabe GeschäftsführerInnen oder Product Owner.

Montag

Der erste Tag – wie aufregend! Wie wird das Sprint-Team auf die Methodik reagieren? Diese Frage stellt sich jede Sprintleitung bevor es los geht und es ist völlig okay, nervös zu sein. Aber ich kann euch beruhigen: Bisher waren meine Kolleginnen und ich positiv überrascht, wie gut sich alle Teilnehmenden auf diese ungewohnte Methodik einlassen.

Am Montag gibt es strukturierte Diskussionen. Wir entwickeln ein langzeitiges Ziel und Fragen, die auf mögliche Probleme abzielen. Danach erarbeiten wir gemeinsam eine Karte mit allen wichtigen Akteuren und Herausforderungen.

Als Pause empfehlen wir gemeinsam Mittagessen zu gehen. Ob das Gesprächsthema dabei der Sprint ist oder wie das Wochenende war – völlig egal! Euer Team wächst so näher zusammen.

Am Nachmittag gibt es eine Expertenrunde: Wer gehört nicht zum Design-Sprint-Team, hat aber etwas zum Thema beizutragen? Ist es jemand aus dem Marketing, Kundenservice oder der Buchhaltung? Ladet sie ein und löchert sie. Nun seid ihr rundum informiert, das Problem steht in seiner ganzen Pracht vor euch im Raum. Ihr könnt es fast greifen. Welchen Teil geht ihr nun an? Eure Problemauswahl sollte ehrgeizig, aber machbar sein. Der Rest der Woche widmet sich diesem Teil des Problems.

Dienstag

Am zweiten Tag stehen die Lösungen im Mittelpunkt. Deswegen schauen sich alle TeilnehmerInnen bestehende Ideen und alternative Produkte am Markt an und lassen sich davon inspirieren. Jeder stellt den anderen vor, was er entdeckt hat. Alle Ergebnisse hängen an den Wänden, weiterhin für alle sichtbar. Langsam sieht der Raum aus wie John Nash’s Büro im Film „A Beautiful Mind“.

Am Nachmittag verwandeln die TeilnehmerInnen ihre abstrakten Gedanken in greifbare Ideen und Vorschläge. Dabei hilft ein mehrteiliger Sketch-Prozess. Am Ende haben alle einen Lösungs-Sketch erstellt. An diesem Tag sollten außerdem passende TeilnehmerInnen für die Interviews am Freitag gefunden und eingeladen werden.

Mittwoch

Dienstag haben alle ihren Lösungssketch angefertigt. Diese werden wie in einem Museum an der Wand aufgehängt. Nun gibt es genug Zeit, alle Sketche anzusehen, Fragen und Bedenken zu notieren und letztlich abzustimmen – denn am Ende brauchen wir nur einen guten Plan. Welcher Vorschlag hat das größte Potential, uns beim Erreichen des Langzeit-Ziels zu helfen?

Am Nachmittag ist die Entscheidung gefallen. Aus dem auserwählten Sketch wollen wir am folgenden Tag einen Prototyp machen. Dafür brauchen wir eine Bauanleitung, ein sogenanntes Storyboard. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung fertigen wir gemeinsam an.

Donnerstag

Das Storyboard ist fertig, der Plan für unseren Prototypen steht. „Fake it“, ist das Motto des Tages. Das Ziel ist lediglich eine überzeugende Fassade, die unsere Testpersonen am Folgetag auf Herz und Nieren prüfen können. Außerdem wird an diesem Tag ein Interview-Skript vorbereitet und am besten ruft ihr nochmal eure Testpersonen an und erinnert sie an den anstehenden Termin.

Freitag

Am Freitag schaut man zurück und ist erstaunt, wie schnell man Lösungen entwickelt, eine erwählt und letztlich einen realistischen Prototypen entwickelt hat.

Nun werden Testpersonen interviewt, indem sie zuerst in Small Talk verwickelt und ihnen anschließend kleine Aufgaben gestellt werden. So sieht man, wie gut sie mit dem Prototypen klarkommen, z.B. mit der Navigation. Daraus kann man ableiten, wie es mit dem Produkt oder Service weitergehen muss.

Während einer die Interviews führt, beobachten die anderen per Kamera alles. Mit grün notiert ihr, was euch positiv auffällt. Mit rot, was die Testperson nicht gleich versteht oder was ihr nicht gefällt. Der größte Vorteil: Die Auswertung findet sofort statt. Ihr seht direkt, wohin die Reise gehen muss.

Wer kann einen Design Sprint leiten?

Wenn du eine eigene Idee hast, die du testen willst und du im Prozess aktiv mitwirken möchtest, sollte jemand anderes die Rolle der Sprintleitung einnehmen. Das kann etwa jemand aus deinem Unternehmen sein, der sich einige Wochen ins Thema einarbeitet. Externe haben den Vorteil, dass es für sie oft leichter ist, Distanz zu wahren und den Prozess zügig voranzutreiben. Außerdem hängt ihr Herz (noch) nicht an deinem Service oder Produkt, was für mehr Neutralität und ein ehrliches Ergebnis sorgt.

Alternativ kannst auch du einen Design Sprint leiten. Was du mitbringen musst, sind ein gutes Gespür für Menschen und die Fähigkeit, Diskussionen zu leiten bzw. TeilnehmerInnen immer wieder zum Thema zurückzuführen. Erfahrung hilft, ist aber kein Muss. Eine gründliche Auseinandersetzung mit der Methodik und der damit verbundene Zeiteinsatz sind das Wichtigste. Außerdem solltest du dir immer wieder klar machen, dass du das Format bewahrst. Du bringst dich nicht aktiv ein. Du bietest einen Rahmen, aber niemals konkrete Lösungsvorschläge und Ideen. Dafür hast du die Experten.

Wie könnt ihr starten?

Zum Start lohnt sich das Buch „Sprint“ von Jake Knapp und John Zeratsky. Neben vielen Beispielen und ausführlichen Erklärungen, gibt es am Ende einen Stundenplan für die ganze Woche und sogar eine Einkaufsliste. Das nennen wir praktisch!

Falls ihr euch für Design Sprints interessiert, erzählen wir euch gerne mehr darüber. Per E-Mail, Telefon oder wir verabreden uns zum frisch gekochten Mittag aus unserem Bürokessel.

Wenn euch gefällt, was ihr gelesen habt – bucht uns gerne direkt! Wir freuen uns.

Quellen:

designsprintkit.withgoogle.com

www.gv.com

Buch: „Sprint: How to Solve Big Problems and Test New Ideas in Just Five Days“, 2016, Jake Knapp & John Zeratsky