Medizinische Informatik: Gesundheitsvorsorge von morgen

14.12.2020 in Verantwortung & ITvon Christiane im Interview mit Merle Baake

Wie kann man lernen, herausragende digitale Medizinprodukte zu erschaffen? Meine Kollegin Merle berichtet im Interview vom Studium der Medizinischen Informatik.

Christiane: Hallo Merle,
danke für deine Zeit. Du hast Medizinische Informatik studiert. Was heißt das?


Merle: Medizinische Informatik hilft dabei, medizinische Daten zu verarbeiten und zu analysieren. Ziel ist es z.B. medizinisches Personal auf Auffälligkeiten hinzuweisen und die Vorarbeit zur Diagnose zu vereinfachen.
Im Studium hatte man grundsätzlich Informatik, also Mathe, Logik, theoretische Informatik etc. Parallel hatte ich Medizinfächer wie etwa Anatomie oder Pathologie. Sobald ein Grundwissen aufgebaut war, wurden die beiden Themenfelder verknüpft.

So habe ich z.B. gelernt, wie Patientendaten gespeichert werden, wie digitale Prozesse in Krankenhäusern ablaufen oder wie medizinische Bildverarbeitung funktioniert. Konkreter bedeutet das etwa, wie man bei CT- oder MRT-Bildern automatisch Auffälligkeiten entdecken lassen kann.

Eine Person zeigt mit den Händen auf ein Röntgenbild eines Gehirns

Christiane: Kannst du uns mehr darüber berichten, wie das geht?


Merle: Die Gewebe im Körper haben unterschiedliche Konsistenzen und Zusammensetzungen, die abgebildet und auf diesen Bildern anders dargestellt werde. Tumore, Läsionen im Gehirn – also wie es beim Schlaganfall ist – all das kann man auf den Bildern sehen. Und unsere Programmierung kann solche Auffälligkeiten kenntlich machen und die Ärztin unterstützen. Bei dem Thema geht es auch um maschinelles Lernen. Denn zum Start, also vor dem Einsatz in der Klinik, lernen ebendiese Programme durch die Ärztin. Die Ärztin erhält dann z.B. verschiedene Bilder und gibt ein, ob es sich um einen Tumor handelt oder nicht. Sprich: Das Tool wird erst gründlich trainiert, bevor es in den Klinikalltag kommt.

Christiane: Danke, Merle. Wenn du nochmal zurück an dein Studium denkst: Was hat dich daran besonders gereizt?


Merle: Mir hat gefallen, dass es nicht nur abstrakt ist. Es verbindet Informatik, was natürlich tolle berufliche Zukunftsaussichten hat, mit spannenden, praktischen Themen. Deshalb hatte ich mich damals für das Studium in Lübeck entschieden. Medizinische Informatik ist nicht nur abstrakt. Wir sind Menschen, bestehen aus Gewebe und was kann uns alles passieren...?
Meine Abschlussarbeit vom Bachelorstudium war ebenfalls schön praktisch. Ich habe eine Mobile App gebaut, die die Ärztin nutzen kann, um Patientinnen direkt per Fragebogen zu befragen und in einem bestimmten medizinischen Standardformat weiterzusenden. Das sollte Ärztinnen die Interaktion am Krankenbett erleichtern.

Das Praktische ist, was ich wirklich gerne an Medizinischer Informatik mag. Man erwirbt coole Skills und Fähigkeiten, lernt immer mehr. Damit will ich gerne Dinge machen, wo ich ethisch dahinter stehen kann. Wo ma denkt: Das hilft jemandem. Medizin ist dafür natürlich prädestiniert. Wenn ich meine persönlichen Werte einbringen kann oder einer Person etwas Gutes tun kann, würde ich mich freuen. Es ist auch ein besonderes Feld, weil es viel um sichere Übertragung sensibler Daten geht. Deswegen, lasst und die Chance nutzen und daraus was cooles machen!

Christiane: Danke für die Erklärung. Ein Wort vorhin hat mich natürlich direkt hellhörig gemacht: Pathologie. Heißt das, ihr habt im Studium tatsächlich auch mit Körpern gearbeitet?


Merle: Ja, wir waren im Leichenschauhaus. Ein paar wollten nicht oder sind herausgegangen. Wir sind übrigens in Anatomie in die Pathologie gegangen. In Pathologie ging es um Krankheiten.

Dazu fällt mir auch gerade etwas ein. Unser Anatomie Professor kam irgendwann mit einem Wagen an auf dem ein Rumpf lag. Dann hat er da die Gedärme rausgeholt und sie nicht wieder richtig reingekommen. Ein bisschen so, wie wenn man alles aus dem Koffer rausholt. Dann will man es wieder reinpacken und es geht nicht mehr. Das ist mir im Kopf: Wie er gekämpft hat mit den ganzen Gedärmen...

Christiane: Das klingt... erinnerungswürdig. Vielen Dank für deine Zeit!